Beate Maxian: Die Tränen von Triest

Romane, die in Triest verortet sind, müssen nicht zwingend Krimis sein. Auch generationsübergreifende Familiengeschichten lassen im Kopf ihrer Leser ein lebendiges Bild der Hafenstadt entstehen.

Beate Maxian ist 52 und seit elf Jahren Krimiautorin. Vielen ist sie besonders durch ihre Thriller rund um die abergläubige Wiener Journalistin Sarah Pauli ein Begriff. Seit drei Jahren schreibt sie auch Romane, in denen sie die Lebens-Schicksale verschiedener Generationen von Familien schildert. Nach Wien und einem Dorf in Bayern hat sie sich für ihr jüngstes Buch Triest ausgesucht. „Sie fängt dabei den Charakter der Stadt sehr lebendig ein“, lautet das Urteil von Buchhändlerin Ingrid Lux nach der Lektüre der 432 Seiten. Und Lux, die mit ihrem Mann Walter die Wiener Eckart-Buchhandlung führt – übrigens die einzige in Österreich mit eigenem Triest-Schwerpunkt –, ist nicht gerade dafür bekannt, mittelmäßige Literatur schönzureden. 

„Die Tränen von Triest“ (Heyne-Taschenbuch, 11,30 Euro, ISBN: 978-3-453-42379-4). In dem Roman geht es um eine Spurensuche: Johanna Silcredi, eine junge Wiener Architektin, wird am Tage der Trennung von ihrem Freund von ihrem Großvater nach Triest geschickt, um dort vielleicht mehr über dessen eigene Herkunft zu erfahren. Wie sie auf den Plot kam? „Die Idee dazu hatte ich während einer Triest-Reise mit Freunden, auf der wir uns auf die Spuren von James Joyce begaben“ erzählt Beate Maxian. „Damals wohnten wir in einer Frühstückspension namens Villa Bottacin, die meine Tochter entdeckte und die Jahre zuvor einem Mafia-Jäger als Schutz gedient hatte. Die Schutzgitter vor den Fenstern und Türen erzählen noch heute davon.“ Im Roman wird daraus die Villa Costa alias Villa Silcredi, wie sie in jenen Kapiteln heißt, die zwischen 1914 und 1918 spielen. Die Villa aus dem 19. Jahrhundert liegt auf einer Anhöhe, mitten im Grünen und doch nahe dem Zentrum. „Ich habe sie in  für ‚Die Tränen von Triest‘ auf den Stadthügel San Giusto verlegt.

Dieser zweite Erzählstrang, der in dieser Villa beginnt hat, handelt von  Afra von Silcredi, Johannas Urgroßmutter. „Sie wuchs während der Österreichisch-Ungarischen Monarchie in Triest auf“, erzählt Maxian, „und sie wurde mit dem sprichwörtlich goldenen Löffel im Mund geboren.“  Doch die grausamen Ereignisse des Ersten Weltkriegs zwingen sie, ihr Leben in die Hand zu nehmen und neu zu gestalten. Sie entwickelt sich zu einer selbstbestimmten Frau, die ihr Schicksal heroisch meistert. „Ich habe ihr wirklich viel zugemutet“, so die Autorin. Genau das gefällt auch Ingrid Lux, die findet, dass zuerst die heitere und zugleich melancholische Stimmung der zu Ende gehenden Monarchie und darauf folgend die Härte des Ersten Weltkriegs und Afras schwieriger Weg in eine neue Identität sehr gut herüberkommt. Lux zieht sogar einen Vergleich: „Aura und Johanna, die beiden Protagonistinnen, sind wie Triest selbst: nicht unterzukriegen, mutig und ein kleines bisschen kokett.“  

Lust auf Triest. Maxian erzählt viel über Triest, über die Literaten, die Kaffeehäuser, den Österreichischen Lloyd und die Verbindungen zu Österreich und Deutschland. „Ich filterte heraus, was mich persönlich an dieser Stadt fasziniert und befragte Freunde, was sie an der Hafenstadt mögen.“ Das Buchhändler-Ehepaar Lux wurde nicht von ihr befragt – sie lernte es erst nach Erscheinen des Romans kennen. Aber die Beschreibung der Stadt scheint auch diesen ausgewiesenen Triest-Kennern perfekt getroffen: „Beim Lesen der ‚Tränen von Triest‘ sind uns vor lauter Sehnsucht nach unserer zweiten Heimat fast welche gekommen. Nein, im Ernst: Das Buch gefällt uns, weil es eine unglaubliche Lust auf diese Stadt macht!“

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