Pier: Ein Ankerplatz nicht nur für Skipper

Ein Abendessen direkt am Meer? Das war bis vor kurzem in der Innenstadt von Triest genauso wenig möglich wie ein Aperitif auf einer Terrasse mit Rundum-Blick über die Adria. Doch jetzt bietet ein Restaurant im Yachthafen genau das.

Mitten im Yachthafen. Ganz nah am Meer zu sein und sein Essen genießen, einen Cocktail zu trinken und dabei zu erleben, wie die Sonne ins Meer versinkt – das kann man jetzt auch im Zentrum der Adria-Hafenstadt, nur ein paar Schritte vom trendigen Cavana-Viertel oder von der Piazza Unità entfernt: im Restaurant Pier und in der darüber gelegenen Freiluft-Bar The Roof in der Marina San Giusto. Die Marina liegt direkt an der großen Uferpromenade zwischen der Pescheria, dem ehemaligen Fischmarkt, und dem großen neuen Eataly-Gebäude und bietet Liegeplätze für bis zu 226 Freizeitschiffe mit einer Länge von bis zu 24 Metern (für Skipper: 80 davon sind für Durchreisende reserviert). Rund die Hälfte des Verwaltungsgebäudes am Ende der Mole wurde 2016 in ein Restaurant umgewandelt, das nicht nur den Mitgliedern des Yachtclubs offensteht. Hinter dem Konzept steckt Walter Gustin, der die kulinarische Szene Triests schon seit Jahren mitprägt.

Die Atmosphäre: wirklich lässig. Viel weiß, viel helles Holz, etwas Shabby Chic und maritime Einsprengsel von der Seemannskiste über den Kescher bis zum Steuerrad – das Innere des Restaurants kann sich sehen lassen. Gleich beim Eingang eine große Bar, dahinter ein Weinregal und an den großen Fenstern die Tische. In den wärmeren Monaten ziehen die meisten die Plätze draußen unter den weißen Sonnensegeln zwischen dem Gebäude und dem Wasser vor. Gut essen mit Meerblick lässt sich auch am Stadtrand (etwa beim Schloss Miramar im Le Terrazze, dem Restaurant des Hotel Riviera oder in der Tavernetta Al Molo), aber so nahe am Meer lässt sich selbst dort nicht schlemmen.

Die Küche: Fisch, was sonst! Keine Frage, so knapp am Meer muss Fisch im Mittelpunkt stehen. Wobei hier gleich zwei Hinweise ausgesprochen werden müssen. Zum einen, dass Leute, die absolut keinen Fisch mögen, hier – in Ermangelung von Alternativen – wirklich fehl am Platz sind und höchstens bei den Desserts zulangen können. Zum anderen, dass es nur einen einzigen Fisch im Ganzen gibt, den Branzino aus der Piraner Bio-Fischzucht von Irena Fonda). Aber die Fischgerichte und Meeresfrüchte (Hauptgerichte zwischen 18 und 22 Euro) sind schwer in Ordnung. Für Triester Verhältnisse ganz schön gewagt – sprich kreativ – sind die Antipasti (allesamt zwischen 15 und 20 Euro). Etwa Angler in Zitronensauce auf Steckrüben-Püree und Chili-Marmelade, gebratene Steinbutt-Knöderl mit Lachs und Seehasenrogen auf Tropea-Zwiebeln mit Chili-Mayonnaise oder Pulpo vom Grill mit Kapernpulver, Zitronencreme, violettem Kartoffelschaum und Auberginen, mariniert in Roten Rüben.

Top: Ein Sundowner über den Yachten. Ob Aperitif, Digestif oder Cocktail, in der warmen Jahreszeit gilt die Open-Air-Bar The Roof auf der Dachterrasse der Marina San Giusto als einer der schönsten Plätze. Wobei Drinks nicht an die Kreativität der Antipasti ein Stockwerk darunter im Restaurant Pier anschließen können, dafür aber freundlich kalkuliert sind. Aber die Aussicht auf die vielen Boote, auf die Adria bis weit über das Schloss Miramar hinaus und die Stimmung – diese Dinge machen The Roof zu einem ganz besonderen Ort. Und  bei Sonnenuntergang gar zu einem magischen.

Pier, Molo Venezia, 1, I-34123 Triest
Mo–So 09.00–01.00 Uhr
Tel. +39 040 322 9296
www.facebook.com/pier.theroof/

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