Ausstellung: Maximilian und Manet

Was haben Erzherzog Maximilian (1832–1867) und der französische Maler Édouard Manet (1832–1883) gemeinsam, dass man den beiden jetzt in Triest eine multimediale Ausstellung widmet?

Auf den ersten Blick haben die beiden gar nichts gemeinsam. Weder ist der nächstjüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph jemals dem Wegbereiter der modernen Malerei begegnet, noch findet sich irgendwo ein Hinweis, dass der Habsburger-Erzherzog vom Franzosen überhaupt einmal gehört, geschweige denn eines seiner Werke erworben hatte. Wenn da nicht ausgewiesene Manet-Kenner wären, die von weniger bekannten Werken wissen, die die Erschießung des tragischen Kurzzeit-Kaisers von Mexiko zeigen.

Grund genug für die Ausstellungs-Macher, die Geschichte, die hinter diesen Bildern steckt, multimedial zu erzählen. Und das an einem einer wenig bekannten Ort, der im wahrsten Sinn des Wortes im Schatten von Maximilians Schlosses steht: den mustergültig renovierten ehemaligen Stallungen von Miramar. Die virtuelle Reise beginnt mit einer Erzählung über einem aufgeschlagenen großen Buch, in das Bilder und Videos über das Schicksal des tragischen Erzherzogs projiziert werden. Der im Eintrittspreis inkludierte Audio-Guide übersetzt alle Texte auch ins Deutsche.

Die multimediale Tour führt durch viele Räume des Gebäudes, die zum Teil mit originalen Stücken aus dem Schloss akzentuiert sind. Mit Projektionen auf die weißen Wände werden Umgebungen geschaffen, die Aufschluss darüber geben, warum Maximilian nach Mexiko ging. Wie es dazu kam, dass er sich vom französischen Kaiser instrumentalisieren ließ, schließlich zwischen die Fronten von Napoleon III. und dem von den Vereinigten Staaten unterstützten mexikanischen Präsidenten Benito Juarez kam. Das Ende ist bekannt: Maximilian wurde, von Juarez überwacht, standrechtlich erschossen.

Der nächste Saal, virtuell als Atelier Manets in Szene gesetzt (siehe Startbild des Beitrags), ist der Schlüssel zur Ausstellung: Hier erfahren die Besucher, wie Manet vom Erschießungstod Maximilians erfuhr (aus der Zeitung), wie er darauf reagierte (zornig) und wie er seinem Protest Ausdruck verlieh (eben mit einer Reihe von Skizzen und Bildern, die das Drama zeigen). Und das ist der Aha-Moment der Ausstellung, die die Entstehungsgeschichte dieser Werke eindrucksvoll vor Augen führt.

Und die hatte es in sich: Der Tag der Exekution des 35-jährigen Kaisers von Gnaden Napoleons III. am Glockenhügel über Queretaro war der 19. Juni 1867. Bis sich daraus der Medien-Hype entwickelte, der Manet zu seinen Arbeiten bewog, dauerte es noch etwas: Die erste Nachricht über die Erschießung traf zwei Wochen später in Europa ein, überbracht von einem österreichischen Kapitän. Vier Wochen nach der Hinrichtung trafen die ersten Augenzeugenberichte per Transatlantik-Kabel ein. Manet wusste, dass über die Tragödie in Frankreich nur zensuriert berichtet wurde, der Ärger darüber beflügelte seinen Pinselstrich. In den nächsten eineinhalb Jahren entstanden drei Fassungen, eine Ölskizze und eine Lithographie, die erst nach Manets Tod publiziert werden durfte. Und schließlich die letztgültige finale Version des Gemäldes im Format 252 mal 302 Zentimeter. All das wird in der Reitschule des Schlosses multimedial in Szene gesetzt.

Ausstellung Massimiliano e Manet, bis 30. Dezember 2018
Scuderie di Castello Miramare
tägl. 9.00 bis 19.00 Uhr
Eintritt inkl. Schloss-Eintritt 12 Euro (<18 frei, >18 bis <25 6 Euro)
castello-miramare.it

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