Cottur-Radweg: Bergauf wie auf Schienen

Der wahrscheinlich schönste Radweg Triests führt vom Zentrum aus über Viadukte und durch Tunnels durch ein Naturschutzgebiet hinauf in den Karst – auf einer stillgelegten Bahnstrecke.

Der Start zu dem mit EU-Fördermitteln auf einer ehemaligen Bahntrasse ausgestalteten Radweg liegt im Triester Stadtteil San Giacomo am Beginn der Via Orlandini. Dort befindet sich eine Brücke – und unter dieser der Start zu dem Radweg. Von der Brücke aus ist die alte Bahntrasse, die in einem Bogen vom Meer hier herauf kam, noch deutlich auszumachen. An der Brücke befindet sich auch ein kleiner Parkplatz für jene, die die mit EU-Fördermitteln errichteten und nach dem 2006 verstorbenen italienischen Radprofi benannte Strecke befahren möchten.

Die ersten Kilometer (und die ersten der insgesamt rund 400 Höhenmeter) auf der Trasse der 21,5 Kilometer langen Lokalbahn nach Kozina (ital. Erpelle) geht es zwischen Häusern und Gärten bergauf. Kaum vorstellbar, dass hier bis 1958 Normalspur-Loks mit Personen- und Güterwagen hinauf zur k&k istrianischen Staatsbahn nach Pula fuhren. Sogar eine neue, stylishe Brücke wurde errichtet, auf der man die viel befahrene Via dell‘Istria auf Höhe des Kinder-Krankenhauses überquert. Nach fünf Kilometern ist die Kante des Triest vorgelagerten Karstgebirges erreicht.

Von nun an geht es nur noch moderat bergauf. Aber nicht mehr auf Asphalt, sondern auf Kiesboden. Doch nicht nur der Untergrund wechselt, auch der Ausblick: Man radelt nun mitten in der Landschaft und kann den freien Blick auf die Adria genießen. In der Nähe der beiden Türme des Cattinara-Krankenhauses folgt eine extra für den Radweg geschaffene Brücke über die Schnellstraße, die hier natürlich noch nicht entlang führte, als die Eisenbahn noch verkehrte. Aber gleich darauf geht es wieder weiter auf der ehemaligen Bahntrasse, und zwar auf einem spektakulären Bauwerk.

Es ist ein langes und hohes Viadukt, das ein Tal überquert – das längste auf der Strecke, die nun das Stadtgebiet endgültig verlassen hat. Die Trasse überquert nun kleine Straßen,
 an denen einmal Bahnschranken standen. Die dazugehörigen Bahnwärterhäuschen gibt es noch. Nur die Schienen sind verschwunden. Die Landschaft wird nun immer wilder, Straße ist keine mehr in Sicht – und Häuser sieht man auch keine mehr. Der Cottur-Radweg führt jetzt durch das Val Rosandra, dem Rosandratal, und die Radler fahren an dessen Nordhang entlang.

Dann und wann stehen am Streckenrand ehemalige Bahnhöfe, die jetzt als Wohnhäuser dienen. Die dazugehörigen Orte sind kilometerweit entfernt und nur über schmale Pfade erreichbar. Gleich danach ist wieder die pure Natur angesagt, tiefe Einschnitte ins Karstgestein machten die Bahntrasse erst möglich. Und natürlich auch Tunnels, die heute Teil des Radwegs sind und in denen automatisch die Beleuchtung angeht, wenn sie durchfahren werden.

Den Tunnels folgen schließlich zwei große, dem Radius einer Normalspur-Bahn angepasste Bögen, die sogar am Satellitenbild auszumachen sind, und die Grenze nach Slowenien. Aber nur für ein paar Meter – dann ist man wieder in Italien. Wer jetzt Labung braucht, kann die Abzweigung nach Draga Sant’Elia wählen und in der Locanda Mario, einem beliebten Gasthaus (täglich außer Dienstag ab 10 Uhr geöffnet), einkehren. Danach sind es nur noch ein paar Kilometer, bis der Radweg an der Autobahn nach Koper endet. Jetzt ein Turn und ab nach Triest – bergab.

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