Fisch in Triest: Meer auf dem Teller

Fisch hat Tradition in Triest. Schließlich war die Stadt, bevor ihr Kaiser Karl VI. im Jahr 1719 den Status eines Freihafens verlieh und sie damit zum Blühen brachte, ein verschlafenes Fischerdorf. Heute gilt sie als Paradies für Fisch-Liebhaber.

Das Meer vor der Stadt ist trotz des Hafens sehr sauber – weit sauberer als noch vor einigen Jahrzehnten. Nur die Thunfische sind seit 1954 ausgeblieben. Und noch etwas ist anders geworden – allerdings erst vor kurzer Zeit: Der berühmte Fischmarkt in dem 1913 erbauten sehenswerten Jugendstilgebäude an der Rive, der breiten Meerespromenade im Zentrum, ist heute leergeräumt und dient als großes Ausstellungsgebäude. Der wirkliche (Groß-)Handelsplatz für Fisch übersiedelte in die Vorstadt. Er soll dem Vernehmen nach irgendwann einmal ins alte Hafengelände in ein restauriertes Kontorgebäude einziehen.

Der Fisch aus der Region. Sardinen, Sardellen, Makrelen und Kalmare, Taschenkrebse und Muscheln sind reich im Golf von Triest vertreten. „Luxusfische“ werden woanders gefangen – „Pesce Povero“, den „Fisch der Armen“ nennt man deshalb auch den Fang der einheimischen Fischer, der heute eigentlich eher ein Zeichen von Reichtum ist. Denn so fangfrisch können selbst im Zeitalter der grenzenlosen Transportlogistik weder Fisch noch Meeresfrüchte auf den Teller gelangen. Dieser Tatsache wird man sich in den Restaurants der Stadt mehr und mehr bewusst. Angenehmer Nebeneffekt: Der Fisch der Region kostet nicht die Welt. Zu den Vorreitern dieser Bewegung zurück zum Authentischen gehören urige Lokale wie El Fornel und die Osteria di Mare alla Voliga in Triest sowie Al Pescaturismo im Villagio del Pescatore zwischen Duino und Monfalcone.

„Fischlaboratorium“ nennt Piero Anzellotti sein kleines Gassenlokal SaluMare in der Via Cavana. Seit Ende 2006 gilt er als eine Triestiner Institution. Er betreibt die einzige handwerkliche Fischräucherei der Altstadt und erfreut Feinschmecker mit frisch geräuchertem Stör, Lachs, Schwertfisch und Thunfisch. Wer diese Köstlichkeiten nicht gleich an Ort und Stelle mit einem Glas Wein probieren möchte – so wie es mittags viele tun – der kann alles auch bequem mitnehmen. Anzellottis eigene Version von Sarde in Saor erfreut sich dabei größter Beliebtheit: Bevor er die Sardinen mariniert werden sie geräuchert. Aber auch sein Baccalá mantecato (eine Stockfischcreme) und seine Fisch- und Meeresfrüchte-Kreationen sind köstlich. Darüber hinaus kann man bei SaluMare auch ausgewählte haltbar gemachte Fischspezialitäten und erlesene Weine erwerben.

SaluMare il Laboratorio del Pesce, Via Cavana 13/a, I-34124 Trieste
Di bis Sa 11.00 bis 14.00 Uhr und 18.00 bis 21.00 Uhr
Tel. +39 040 3229743
www.salumare.com

 

La Barcaccia: Triests Meeresboutique. Fischhandlungen gibt es in der Adria-Hafenstadt viele. Diese neue in der Eataly-Filiale an der Rive ist einer der Publikums-Magneten in der 2017 eröffneten Triester Filiale des Mega-Marktes für italienische Lebensmittel. Dabei handelt es sich um das berühmte Fischgeschäft, das bereits an seinem alten Standort an der Piazza del Perugino Liebhaber frischer Fische, Muscheln oder Meeresfrüchte anzog. Denn Livio und Cristina Amato sind nicht nur darauf erpicht, in ihrer Meeresboutique absolut fangfrische Ware (vornehmlich den Fang der zwei Fischerboote seines Bruders Nevio) zu verkaufen, sondern auch Kreatives daraus zu machen. Etwa den Burger aus Branzino, Orata und etwas Radicchio, der mit Polenta serviert wird. Oder rohe Thunfischwürfel mit frischem Ingwer. Oder Wolfsbarsch Carpaccio mit Honig und Peperoni. Oder Crepes mit Jakobsmuscheln. Oder gar Anchovis mit Orangenmarinade. Dazu werden Prosecco, Franciacorta oder Weine aus der Region glasweise ausgeschenkt. Aber auch Triest-Besucher können sich am Tag ihrer Heimreise mit den köstlichen Barcaccia-Spezialitäten eindecken, die gerne transportgerecht mit eingeschweißten Eiswürfeln verpackt werden. In einer Kühltasche verstaut hält sich der Einkauf sicher einen Tag lang frisch.

Barcaccia im Eataly Trieste, Riva Tommaseo Gulli 1, I-34123 Triest
Mo bis Do und So: 11.00 bis 22.00 Uhr, Fr und Sa 11.00 bis 23.00 Uhr

 

Osteria Salvagente. In Marco Munaris Lokal in einer kleinen Seitengasse am südlichen Ende des Triestiner Hafenbeckens treffen sich junge und alte, arme und reiche Menschen, die eines verbindet: die Liebe zu unprätentiösen Fischgerichten. Vor allem solchen aus jenen Fischen und Meeresfrüchten, die im Golf von Triest heimisch sind: Seeteufel und Seezunge, Meeräsche und Meeresspinne, Oktopus, Rotbarbe und Sardine. Pesche ai Poveri – den Fisch der armen Leute – nennt man das in Triest, und alles wird hier einfach und ganz ohne Chichi, dafür ganz frisch aus lokalem Wildfang zubereitet. Gedruckte Speisekarte gibt es keine, ein handbeschriebenes A4-Blatt reicht. Marco Munari liebt auch Musik: Unter dem Motto „Swing ’n‘ Fish“ gibt es hier an einigen Donnerstagen und Sonntagen Livemusik.

Osteria Salvagente, Via dei Burlo 1c, I-34123 Triest
Mi bis So 11.30 bis 15 und 19 bis 23 Uhr
Tel. +39-040-260-6699
facebook.com/OsteriaSalvagente

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