Das Vipava-Tal und seine Rebsorten

Schon einmal von Zelen und Pinela gehört? Es handelt sich um autochthone Rebsorten, die es nur im Tal zwischen Görz und der Autobahn Laibach–Triest gibt. Und es lohnt sich, sie zu verkosten.

Ganz gleich ob das Vipava-Tal unweit der triestinischen Küste zwischen dem Berg Nanos und Nova Gorica nun insgesamt 2.300 oder 3.000 Hektar Rebflächen vorweisen kann – es ist Sloweniens größtes Weinbaugebiet, das auf eine über 1.500 Jahre lange Geschichte zurückblickt. Und es ist zugleich auch eines der allerbesten, die Weine sind fruchtig und gleichzeitig mineralisch und trocken. Das ist vor allem den extremen Temperaturschwankungen zu verdanken, denen die Reben hier ausgesetzt sind. Darüber hinaus wirkt der Wind – es ist die für Triest so typische Bora, der Fallwind, der am Berg Nanos (sein breiter Rücken begrenzt das Tal nach Norden) gewaltig an Fahrt aufnehmen kann. Man ist hier eben am Schnittpunkt zwischen Küsten- und Festlandklima. Der Wein wird in den verschiedensten Höhenlagen vom Tal (150 Meter Seehöhe) bis auf knapp 700 Meter angebaut, es gibt hier nicht nur die eingangs erwähnten autochthonen Rebsorten – sondern auch noch ein paar mehr. Alle erleben sie zur Zeit ein fulminantes Comeback.

Zelen wäre kurz vor dem Zerfall Jugoslawiens fast verschwunden: 1988 waren kaum noch zwei Hektar mit der nach Birnen und Lilien duftenden hellgrünen Rebsorte bepflanzt. Heute gilt die wieder auf 60 Hektar Anbauflächen – bevorzugt in den mittleren Höhenbereichen – gedeihende sonnenverliebte Sorte wieder als der König der Weine des Tals. Die Vipava-Winzer tragen dem Rechnung, in dem sie Zelen bei Degustationen erst ganz am Schluss anbieten. Gesund soll Zelen (in vernünftigen Mengen genossen) auch noch sein: Er enthält besonders viel Phenolsäure, ein Antioxidans. Zelen wird seit der Gründung eines Erzeugerkonsortiums 2003 ausschließlich in eigens designte Flaschen abgefüllt. Dass er außerdem noch eine aphrodisische Wirkung zeigen soll, ist noch nicht wissenschaftlich erwiesen.

Pinela. Harmonisch und erfrischend, dabei an Wachauer Rieslinge erinnernd, meist mit sanftem Bukett. Pinela-Trauben gedeihen im oberen Vipava-Tal rund um Ajdovščina (ehemals hieß der Ort „Haidenschaft“) am besten.

Klarnica, die im Tal an der Vipava wachsende leicht säuerliche Rebsorte, ist heute leider selten geworden. Es lohnt sich aber, sie zu verkosten, etwa in der Gebiets-Vinothek im Ort Vipava.

Disecka, eine 200 Jahre alte Rebe, findet man überhaupt nur mehr in der Ortschaft Col, 600 Meter über dem Tal. Ihr jährlicher Ertrag liegt bei gerade einmal 30 Litern. Leider sind diese rasch ausgetrunken.

Die bekannten Sorten, die die Winzer des Vipava-Tals zu Wein verarbeiten, sind Welschriesling, Sauvignon, Weiß- und Grauburgunder, Chardonnay, Rebula und Gelber Muskateller, aber auch Merlot, Barbera, Blauburgunder, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon.

Die Gebietsvinothek Vipava bietet die Möglichkeit, die Weine aus dem Tal zu verkosten und zu Preisen fast wie ab Hof zu erwerben. Die befindet sich am Hauptplatz 1 (Glavni arg 1) und ist Montag bis Freitag ganztägig sowie Samstag bis 13 Uhr geöffnet.

Ein Seitenblick in die Küche. Und was isst man zu – oder als Unterlage vor – einer Verkostung der Weine aus dem Vipava-Tal? Wer typische Triestiner Gerichte schätzt, kann sie im Vipava-Tal in leicht variierter Form genießen. So köchelt hier etwa die Jota, ein Eintopf aus Sauerkraut, Bohnen und etwas Schweinefleisch, mit Rüben und Rübenblättern vor sich hin. Aus Sellerieknollen und -blättern sowie Schweinshaxen bereitet man die deftige Suppe Šelinka zu, die mit Polenta als Einlage serviert wird. Shuka nennt sich ein mit Wein gesäuerter Linsen-Eintopf, den man oft auch mit kleinen Stücken vom Lamm verfeinert. Die regionale Variante des Prosciutto, der Pršut, ist ebenfalls nicht zu verachten, und der nach der kahlen Hochebene Nanos, die das Tal nach Norden hin begrenzt, benannte Bergkäse wurde bereits im 16. Jahrhundert erwähnt. Wer es lieber süß mag, sollte Štruklji, den in einem Tuch gekochten, gerollten Teig probieren, der im Vipava-Tal mit einer einer Füllung aus Walnüssen, Topfen, Rosinen und Zucker zubereitet wird.

 

 

 

 

 

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